Regattastrecke "Beetzsee": Eine moderne Wettkampfstätte mit langer Tradition und großer Zukunft

DIE AUSSTELLUNG: Stadtmuseum stellt digitale Ausstellungsversion bereit

Titelseite der digitalen Ausstellungsversion.

Die vom Brandenburger Stadtmuseum erstellte und acht Wochen lang in der Johanniskirche gezeigte Ausstellung "50 Jahre Regattastrecke Beetzsee" schloss am 01.09.2020 ihre Tore. Aufgrund der großen und überaus positiven Resonanz entschloss sich das Museumsteam, eine digitale Version der Ausstellung anfertigen zu lassen, die auf der Homepage des Museums zu finden ist.

DAS BUCH: Fünf Jahrzehnte Regattastrecke Beetzsee in Wort und Bild

Ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk.

Im Sommer 2019, zum 50. Geburtstag der Regattastrecke Beetzsee, ist ein interessantes und lesenswertes Buch erschienen. Auf 264 Seiten wird darin die eindrucksvolle und abwechslungsreiche Geschichte der international bekannten Brandenburger Wassersportstätte beschrieben. Zahlreiche Fotos dokumentieren die bauliche Entwicklung, die sich am Ufer des Beetzsees seit der Einweihung der Strecke im Jahr 1969 vollzogen haben. Und erinnert wird natürlich auch an die nationalen und internationalen Titelkämpfe, die hier in großer Zahl bereits stattgefunden haben.

Die Entwicklung der Regattastrecke im Überblick

Die Begeisterung für den organisierten Wassersport entstand in der Region bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst eroberten die Ruderer die Brandenburger Gewässer, einige Jahre später die Kanuten. In der Folgezeit entstanden in der Havelstadt zahlreiche Wassersportvereine, die die Grundlage für die Entwicklung eines vielfältigen Breiten-, Leistungs- und Wettkampfsports bildeten. Wettkämpfe wurden damals in der Regel auf dem kleinen Beetzsee ausgetragen, wo Ende August 1947 auch die erste Nachkriegsregatta stattfand.

Am 04.03.1967 fasste der Deutsche Turn- und Sportbund der DDR (DTSB) den Beschluss, im Jahr 1969 in Brandenburg an der Havel ein Verbandstreffen der Ruderer durchzuführen. Kurz darauf fiel die Entscheidung zur Errichtung einer internationalen Regattastrecke. Die besten Bedingungen für die Realisierung dieses anspruchsvollen Vorhabens fand man am Ufer des lang gestreckten großen Beetzsees, von dessen hervorragenden natürlichen Voraussetzungen die Wassersportler schon immer begeistert waren.

Mit einem Klick auf die nachfolgenden Schaltflächen gelangen Sie schnell zum entsprechenden Abschnitt der interessanten Geschichte der Regattastrecke "Beetzsee".

Unter schwierigen Bedingungen entsteht in Rekordzeit eine moderne Sportstätte

Der moderne Zielturm ist von Anfang an das markante Wahrzeichen der neue Regattastrecke.
"Volles Haus" herrschte gleich bei der Eröffnungsregatta.

Am 15.09.1967 erfolgte am Ufer des Beetzsees der erste Spatenstich, ab Oktober baggerten Mitarbeiter der Abteilung Erdbau des VEB Bau- und Montagekombinat (BMK) Ost einen Teil der Landzunge Hünensteg weg. 60.000 m³ Boden wurden bewegt, um Platz für die sechs Wettkampfbahnen zu schaffen. Erst dadurch entstand die kleine Insel im Beetzsee, die seit dieser Zeit im Volksmund liebevoll "Acapulco" genannt wird.

Die Planer, Architekten und Bauleute mussten fast jeden Tag neue Probleme lösen, denn in Zeiten der sozialistischen Planwirtschaft war die Beschaffung des notwendigen Materials und die Bereitstellung der erforderlichen Fachkräfte und Bautechnik eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Im Betonwerk wurden zum Beispiel Teile für das Funktionsgebäude "nebenbei" produziert und ein Montagekran wurde nachts von einer anderen Stelle "ausgeborgt". Vieles, was auf dem 60.000 m² großen Grundstück oder im Umfeld errichtet wurde, war nur dank "guter Beziehungen" des Baustabes möglich. Dazu zählte auch die neue Zufahrtsstraße, die innerhalb von 36 Stunden entstand.

Gerade wegen dieser schwierigen Bedingungen waren die Erbauer der Regattastrecke stolz darauf, bereits 22 Monate nach dem ersten Spatenstich den Sportlerinnen und Sportlern beim großen Ruderverbandstreffen im Juli 1969 eine Wettkampfanlage zur Verfügung stellen zu können, die den modernsten Anforderungen der damaligen Zeit und dem Reglement des Ruderweltverbandes FISA entsprach.

Insgesamt wurden zwischen 1967 und 1969 rund 5,4 Millionen DDR-Mark in die Wettkampfstrecke investiert, die zunächst nur den Ruderern zur Verfügung stand und erst ein Jahr später so erweitert wurde, dass sie auch von den Kanuten genutzt werden konnte. Entstanden waren der Zielrichterturm, ein Sanitärtrakt und ein Funktionsgebäude, der so genannte "Steinadler" als überdachter Freisitz für die Gastronomie, der Sattelplatz, die Streckentechnik und eine Anzeigetafel sowie eine nicht überdachte Tribüne für ca. 2.000 Zuschauer.

Nach oben

Nach oben

Nach oben

Rückkehr in die 1. Liga des internationalen Wassersports

Als im Sommer 2005 mit den 21. Juniorenweltmeisterschaften im Rudern die ersten großen internationalen Titelkämpfe nach der Wende stattfanden, präsentierte sich die Brandenburger Regattastrecke den Aktiven aus 53 Ländern in neuem Gewand auf technisch höchstem Niveau.  Nach dem großen Erfolg dieser Titelkämpfe erhielt der Deutsche Ruderverband mit der Regattastrecke Beetzsee noch im selben Jahr vom Ruderweltverband FISA den Zuschlag zur Ausrichtung der U 23 Weltmeisterschaften 2008. In Vorbereitung auf diese nächste internationale Meisterschaft erfolgten von 2006 bis 2008 umfangreiche Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen im Wert von ca. 500.000 €, wie z.B. die Anpassung der Dalben im Startbereich, das Nachrüsten der thermischen Desinfektionsanlage, die Installation einer Beregnungsanlage, die Fenstererneuerung im Kiosk und Funktionsgebäude, die Sanierung von Außenanlagen auf Sattelplatzgelände und die Ausstattung des Sattelplatzgebäudes mit Kommunikationstechnik, die Erweiterung des Siegerehrungsbereiches sowie die Komplettierung und der landseitige Anschluss der Steganlagen. Außerdem wurden eine moderne Zielkamera, eine mobile Überdachung für die VIP-Tribüne und zwei neue Schiedsrichterkatamarane angeschafft.

In dieser Zeit reiften auch erste konkrete Pläne, das Ziel einer „großen Ruder-WM“ in Angriff zu nehmen und eine entsprechende Bewerbung für das Jahr 2013 vorzubereiten. Da für ein solches Vorhaben die Erweiterung der bis dato 6-Bahnen-Anlage auf acht Bahnen wichtigste Voraussetzung war, erhielt die Stadt Brandenburg an der Havel anlässlich der Eröffnung der U 23 Ruder-WM im Sommer 2008 aus den Händen von Brandenburgs Sportminister Holger Rupprecht einen Fördermittelbescheid über 250.000 Euro. Ein Betrag in gleicher Höhe wurde aus dem kommunalen Haushalt bereit gestellt, so dass die Mittel zur notwendigen „Verschiebung“ der Insel Hünensteg um 27 Meter schon zu diesem Zeitpunkt gesichert waren. An der erfolgreichen U 23 WM der Ruderer nahmen Aktive aus 54 Nationen teil.

Anfang 2009 überreichte dann der Umweltminister des Landes Brandenburg den Genehmigungsbescheid für die erforderlichen Arbeiten zur Neugestaltung der Insel "Hünensteg". Im Sommer setzten die Kanuten mit ihren Europameisterschaften die Reihe der internationalen Großereignisse fort. Sportlerinnen und Sportler aus 35 Ländern Europas nahmen an den Titelkämpfen teil. Erstmals fanden bei einer internationalen Meisterschaft Staffelrennen statt. Und neu war auch, dass die Entscheidungen live in ARD, ZDF und bei Eurosport übertragen wurden. Ende August 2009 fiel beim FISA-Kongress im polnischen Poznan die Entscheidung, dass die Ruder-WM 2013 in Südkorea und 2014 in Amsterdam stattfinden. Deshalb bewarb sich der Deutsche Ruderverband mit der Regattastrecke auf dem Brandenburger Beetzsee nun für 2015 um die Austragung einer "großen" WM.

Die ersten Arbeiten zum weiteren Ausbau der Regattastrecke begannen nach  Ende der Wettkampfsaison 2009, in dem die Insel "Hünensteg" um 27 Meter "verschoben" wurde. Dadurch wurde Platz für die benötigten Bahnen 7 und 8 geschaffen.

Nach oben

Investitionen machen sich bezahlt: Fast jedes Jahr Welt- und Europameisterschaften

Da das Land Brandenburg aus dem Konjunkturpaket II rund 5 Mio. € zweckgebunden für den weiteren Ausbau der Regattastrecke "Beetzsee" zur Verfügung gestellt hatte, konnte nach dem Ende der langen Winterpause im März 2010 mit der Realisierung von 13 Teilprojekten begonnen werden. Dazu gehörten unter anderem auch eine größere Videowand, ein moderner Anbau am Zielrichterturm, der Ausbau des Uferweges und die Sattelplatzerweiterung. Ausführliche Informationen zur "Verschiebung" der Insel Hünensteg und zur Realisierung der 13 Teilprojekte finden Sie hier.

Aus sportlicher Sicht stand im Jahr 2010 mit den 17. Weltmeisterschaften im Barfuß-Wasserski ein weiteres interessantes Sportereignis der Spitzenklasse an. Außerdem fanden in diesem Jahr die Deutschen Kleinbootmeisterschaften im Rudern und die Deutschen Meisterschaften sowie der Weltcup im Kanu-Marathon statt. All diese Regatten wurden bei laufendem Baubetrieb durchgeführt.

Im Mai 2011 fassten DRV und LRV sowie die Stadt Brandenburg an der Havel und das Land Brandenburg gemeinsam den Beschluss, sich aus dem Bewerbungsverfahren für die Ruder-WM 2015 zurückzuziehen. Grund dafür waren insbesondere die ständig wachsenden finanziellen Anforderungen des Weltverbandes FISA und das damit zusammenhängende nicht kalkulierbare Risiko. Ausführliche Informationen dazu finden Sie hier.

Die Wettkampfsaison 2011 stand ganz im Zeichen der Junioren-WM im Kanurennsport mit Aktiven aus 53 Nationen. Aber auch die Deutschen Meisterschaften im Drachenboot sorgten für große Begeisterung bei den zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern. Außerdem konnten die umfangreichen Modernisierungs- und Erweiterungsarbeiten abgeschlossen werden, wodurch die traditionsreiche Sportstätte zu einer der modernsten Naturregattastrecken der Welt wurde. Die offizielle Übergabe der „neuen“ Regattastrecke fand am 03.09.2011 im Beisein von Sportministerin Martina Münch statt.

Mit der ersten Auflage der Internationale Beetzsee-Regatta im Rudern wurde im Jahr 2012 eine neue internationale Veranstaltung aus der Taufe gehoben, die aber in den Folgejahren leider keine Wiederholung erlebte. Einen überwältigenden Empfang erlebten das erfolgreiche Kanu-Nationalteam, als es Mitte August von den Olympischen Spielen in London direkt nach Brandenburg an der Havel zu den Deutschen Meisterschaften im Kanurennsport reiste und sich in das "Goldene Buch der Stadt" eintragen durfte.

Aus dem umfangreichen Regattaprogramm der Saison 2013 sind ohne Zweifel die 22. Große Brandenburger Kanuregatta und der 6. Internationale Juniorscup im Kanurennsport zu nennen. Weitere nationale Meisterschaften, wie zum Beispiel die Landesmeisterschaften im Rudern, die 23. Regionalmeisterschaften im Kanurennsport sowie das Drachenbootfestival, sorgten ebenfalls dafür, dass zahlreiche Sportler und Gäste aus allen Teilen Deutschlands Brandenburg an der Havel besuchten.

Fünf Jahre nach der Kanu-EM 2009 kehrte dieses internationale Sport-Highlight 2014 nach Brandenburg an der Havel zurück. Die Veranstalter freuten bei diesen Kontinentalmeisterschaften nicht nur eine Rekordbeteiligung, darunter viele Parakanuten, freuen, sondern auch über die in 50 Ländern und 19 Sprachen ausgestrahlten TV-Live-Bilder. Darüber hinaus fanden in dieser Saison u.a. auch noch die 10. Kinder- und Jugendsportspiele des LSB und das Landesturnfest, die 23. Große Brandenburger Kanuregatta und die 24. Ostdeutschen Regionalmeisterschaften im Kanu-Rennsport statt.

Die Saison 2015 startete mit den Deutschen Kleinbootmeisterschaften im Rudern. Einige Wochen später standen bei der 15. Deutschen Betonkanu-Regatta neben dem sportlichen Wettstreit vor allem Kreativität und Spaß im Mittelpunkt. Studententeams aus rund 50 deutschen und ausländischen Hochschulen wollten mit ihren selbstgebauten lustigen Wasserfahrzeugen beweisen, dass Beton schwimmt. Ernster ging es danach wieder bei den Deutschen Drachenboot-Meisterschaften, dem Kanu-Marathon-Weltcup und den German Wakeboard Open zu.

Ein Novum gab es in der Saison 2016. Erstmals fanden auf dem Beetzsee mit der Ruder-EM (525 Aktive aus 35 Ländern) und der Kanu-Marathon-WM (460 Aktive aus 32 Ländern) zwei hochkarätige internationale Meisterschaften innerhalb weniger Monate statt. Dazwischen gab es zusätzlich noch den Empfang der erfolgreichen Rio-Rückkehrer im Rahmen der Deutschen Meisterschaften im Kanu-Rennsport. Im Jahr 2018 fanden auf dem Beetzsee die Drachenboot-Europameisterschaften statt.

Die 50. Saison der Regattastrecke Beetzsee stand ganz im Zeichen des runden Geburtstages der wichtigsten internationalen Sportstätte des Landes Brandenburg. Beim großen Festakt am 15.06.2019 feierten rund 300 Gäste aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens den gelungenen Auftakt für ein vielfältiges Jubiläumsprogramm. Mit den Deutschen Jugend- und Jahrgangsmeisterschaften im Rudern und dem gleichzeitig stattfindenden 54. Wanderrudertreffen des DRV fand eine Woche später das erste sportliche Highlight statt. Anfang August war die Regattastrecke Beetzsee Austragungsort der Deutschen Meisterschaften im Kanu-Polo und am Ende des Monats versammelten sich an gleicher Stelle die besten Rennkanutinnen und -kanuten des Landes, um über die unterschiedlichen Distanzen die Deutschen Meister in den verschiedenen Alters- und Bootsklassen zu ermitteln. Mit dabei war auch die deutsche Nationalmannschaft, die direkt von der WM in Ungarn nach Brandenburg an der Havel gereist war. Bei einem festlichen Empfang durften sich die erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler in das Goldene Buch der Stadt eintragen. Ein besonderer Höhepunkt des Jubiläumsjahres 2019 war die vom Brandenburger Stadtmuseum orgsanisierte achtwöchige Ausstellung in der Johanniskirche. Außerdem erschien pünktlich zum Jubiläum auch ein Buch über die Regattastrecke Beetzsee. Auf insgesamt 264 Seiten wird darin in Wort und Bild die abwechslungsreiche Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der bekanntesten Brandenburger Sportstätte beschrieben.

Dank ihrer hochmodernen Ausstattung und des freundlichen Mitarbeiterteams genießt die Regattastrecke "Beetzsee" einen weit über die Grenzen des Landes hinaus geachteten Ruf als idealer Wettkampfort für nationale und internationale Titelkämpfe und wird auch immer öfter für Trainingslager und Lehrgänge genutzt.

Nach oben